Dem richtigen Duft auf der Spur…

The Daily Telegraph. Uk

Venus Wong besucht in Berlin einen Duft-Workshop, bei dem sie ihren eigenen Duft kreiert.

Ich kaufe Parfum nur auf Reisen, sowohl aus sentimentalen als auch aus Budgetgründen. Ich erinnere mich an mein erstes Parfum, das ich mir in Lissabon gekauft hatte: Eine Brise dieses Duftes weckte in mir Erinnerungen an die Atmosphäre dort, an das kunstvolle Mosaikpflaster in Baixa, an die Nähe zu Meer und an meinen ersten erwachsenen Einkauf.

Studien haben gezeigt, dass der Geruchssinn eng mit dem Gedächtnis verbunden ist. Der Geruchs- und Erkennungsprozess – als Geruchssinn bekannt – vermittelt einzigartige Informationen über eine besondere Zeit und einen besonderen Ort. Und genau das habe ich bei Frau Tonis Parfum, einer Parfumboutique in Berlin, auf die Probe gestellt. Ich war hier, um an einem Parfum-Workshop teilzunehmen; in der Hoffnung etwas zu erschaffen, das mich immer an diese Reise erinnern wird. Und einen eigenen, individuellen Duft.

Die erste Aufgabe bestand darin, alle vorhandenen 36 Manufakturdüfte kennenzulernen und seine Favoriten auszuwählen.

Die Boutique ist sehr minimalistisch eingerichtet, nichts soll vom Wesentlichen – dem Parfum – ablenken. Die Flakons werden in eleganten Apothekerflakons präsentiert. Es wird nicht gesprüht; stattdessen schnuppert man an einem Glasstopfen, da sich beim Sprühen sonst viel zu viele unterschiedliche Düfte vermischen würden. Wir bekamen kleine Notizkarten, um die Düfte aufzuschreiben, die uns besonders gefallen haben.

Unsere „Duftreise“ begann mit den blumigen Düften, da diese für die Nase am einfachsten zu verarbeiten sind. Im Verlauf des Workshops „erschnupperten“ wir dann zitrische und fruchtige Düfte, und zum Ende hin widmeten wir uns den orientalischen Parfums, wobei die eichenartigen und asiatisch inspirierten Düfte für den Schluss der „Reise“ aufbewahrt worden waren. Zur Neutralisierung des Geruchssins wurden uns Kaffeebohnen gereicht.

Es gibt keine Vorgaben, wenn es darum geht den individuellen Duft zu kreieren: Es geht nur um das eigene Bauchgefühl, und die möglichen Kombinationen sind endlos. Ich war sofort von einem Duft namens Linde Berlin begeistert: Dieser federleichte, pudrige Duft wird aus einer Lindenblüte gewonnen und ist ganz typisch für Berlin. Die Linden blühen im Frühsommer und bereichern die Stadt mit einem so wunderbaren Aroma, dass sie die Menschen an die schönste Zeit des Jahres erinnern –  eine perfekte Basis für ein Parfüm, das an die Stadt „Unter den Linden“ erinnert.

Meine eigene Kreation bestand zu Hälfte aus Linde Berlin (Basisnote). Für die Herznote Duft „Bouquin“ aus Sandelholz, Amber und Madagaskar-Vanille verantwortlich. Meine Kreation wurde mit dem Duft „Laundrette“ abgerundet, der mich an frisches Leinen erinnerte. Das Ergebnis war ein eleganter, zurückhaltender Duft, den ich jeden Tag tragen werde.

Mein olfaktorisches Abenteuer jedoch ging tatsächlich noch weiter: Frau Tonis Parfum hat sich mit The Ritz-Carlton, Berlin (wo ich übrigens übernachtet habe) zusammengetan, um im „Fragrances“, der Cocktailbar des Hotels, einen speziellen Fragrance-Cocktail zu offerieren, der von den Düften von Frau Tonis inspiriert wurde.  Ich begab mich in die Hände von Arnd Heissen, einem exzentrischen Meistermixologen, der behauptet, anhand seines Lieblingsparfüms Einblick in die Hoffnungen, Träume und die gesamte Persönlichkeit eines Menschen gewinnen zu können.

Venus Wong - 20.09.2020 - The Daily Telegraph Uk

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